Hohenzollersche Zeitung

Verführerische Blickfänge

20.06.2014: Von Stephanie Apelt.

Atemberaubende Frauen inmitten süßer Verführungen machen die Lambertz-Kalender so begehrt. Im seinem Kalendermuseum in Hechingen hat Friedrich Bayer ihnen viel Platz eingeräumt. Deutschlands bislang einziges Kalendermuseum verbirgt sich (ein wenig) im Oldtimermuseum Zollernalb in Hechingen, Obere Mühlstraße 9. Hier hat sich der Bisinger Friedrich Bayer einen Lebenstraum verwirklicht – und möchte andere daran teilhaben lassen. „Der Kalender ist ein wunderbares Stück Kulturgut“, sagt Bayer, „ein Zeitzeuge aus Papier“. Jeder Kalender spiegle stets auch den Zeitgeist. Gut 20 000 Kalender aus aller Welt hat Bayer im Laufe vieler Jahre zusammengetragen, mal als Einzelstück vom Flohmarkt, mal als komplette Sammlung, mal als großzügige Spende von den Firmen direkt, die mit Kalendern gerne Werbung machen. Ganzer Stolz Bayers zur Zeit sind die berühmten Lambertz-Kalender. „Nur 1000 Exemplare gibt es pro Jahrgang“, sagt er. Lambertz ist einer der führenden deutschen Gebäckhersteller, wurde schon 1688 in Aachen gegründet. Ähnlich wie bei beim Reifenhersteller Pirelli setzten hier Top-Fotografen Frauengestalten wunderbar ins Bild, als verführerischen Blickfang, mit und ohne Keksdose. Immer geht es Friedrich Bayer um die Kunst als solche, schlicht Vulgäres würde in sein Museum keinen Einzug halten. Ganz weh wird ihm ums Herz, wenn er den Besucher zum Beispiel zu den edlen Kalendern der Firma Zanders führt. Die Papierfabrik setzte auf aufwändige Gestaltung, holte bei der Kalenderschau in Stuttgart einen Preis nach dem anderen, 2008 allerdings gab es die letzte Auflage, was den Kenner Bayer zutiefst bedauert. Doch sein Fundus ist ja groß, immer wieder gestaltet er die Museumswände um, setzt neue thematische Schwerpunkte. So rückt auch hier der Erste Weltkrieg in den Fokus. Es war eine Zeit, in denen Kalender noch echte Jahr-Bücher waren, wichtige Nachschlagwerke und Datenquellen. Bayer hat die eine oder andere Seiten aufgeschlagen. Ein schneller Blick zeigt: 1913 zählte Hechingen 5100 Einwohner, in ganz Hohenzollern waren es 71 000. Gleich daneben hat Bayer einen Festungsbaukasten der Firma Anker in Feldgrau ausgestellt, „eine belehrende und anregende Unterhaltung auch für Erwachsene. Alle Vorkommnisse des modernen Stellungskrieges lassen sich mit diesem neuen Kasten darstellen“, wurde damals geworben. Ein Besuch im Kalendermuseum vereint so immer Zeitgeschichte, Kultur und Kunst.